Pressemitteilung 6 / 2003   ( zur Übersicht )

Zwischen Geburt und Tod


Gedenkveranstaltung über Leben und Werk des jüdischen Arztes Dr. Herbert Lewin

Die Zukunft entsteht aus der Vergangenheit. Beim Bau eines neuen Studentenwohnhauses in der Herbert-Lewin-Straße in Lindenthal kam das Kölner Studierendenwerk mit einem Stück Kölner Geschichte in Kontakt. 1986 wurde die frühere Haedenkamp-Straße in Herbert-Lewin-Straße umbenannt. Seither erinnert der Name nicht mehr an den Abteilungsleiter der Reichsärztekammer, sondern an den jüdischen Frauenarzt des „Israelitischen Asyls“ in Köln-Ehrenfreld. Bis zu seiner Deportation ins Ghetto Lodz und verschiedene Konzentrationslager war Herbert Lewin Leiter der gynäkologischen Abteilung des Asyls. Ab Mai 1945 holt der damalige Kölner Oberbürgermeister, Konrad Adenauer, aus Köln stammende Häftlinge, mit städtischen Autobussen, aus Theresienstadt zurück. Herbert Lewin leitet danach einen dieser Transporte. 1946 wird er Vorsitzender der Kölner Synagogen-Gemeinde. Im September 1949 ist der Widerruf der Wahl Lewins zum Direktor der Städtischen Frauenklinik in Offenbach durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Offenbach der erste antisemitische Skandal der neu konstituierten Bundesrepublik Deutschland. Die „Frankfurter Rundschau“ formulierte hierzu eine Forderung zum Schutz der überlebenden Juden an die Bundesregierung. Lewin wurde erneut gewählt.

 

Vernissage, Gedenk- und Informationsveranstaltung
über Dr. Herbert Lewin
am Donnerstag, den 10. Juli 2003 um 18:00 Uhr
im Rotary-Raum des Studentenwohnhauses
Herbert-Lewin-Straße 6, 50931 Köln-Lindenthal



Die Ausstellung des Kölner Studierendenwerks informiert über die Zeit des NS-Regimes, Nachkriegsdeutschlands und der Straßenumbenennung von Haedenkampstraße in Herbert-Lewin-Straße mit zum Teil bisher noch nicht veröffentlichtem Bild- und Textmaterial.

Höhepunkt des Abends ist die Enthüllung der Gedenktafel des international renommierten Künstlers Igor Sacharow-Ross. Weitere Programmpunkte sind ein Vortrag des Kölner Psychiaters Peter Liebermann und eine Diskussion unter der Gesprächsführung von Hilmar S. Ankerstein, langjähriger Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Musikalisch begleitet wird der Abend von Agnes Erkens (Gesang), Steve Nobles (Klavier) und Alessandro Palmipessa (Klarinette).

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Pressekontakt:Ruth Schamlott, Kölner Studierendenwerk, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Tel. 0221 - 94265-327)